Schweizer Hip-Hop-Pionier Carlos Leal kehrt mit Sens Unik auf die Bühne zurück. Im exklusiven Interview spricht er über das überraschende Comeback, neue Musik und warum Authentizität im Hip-Hop wichtiger ist denn je.
Warum hat sich Sens Unik wiedervereinigt?
Es begann eigentlich mit engen Freunden, die uns dazu ermutigt haben. Anfangs waren wir uns nicht ganz sicher, deshalb haben wir einen Promoter gebeten, das Interesse bei Festivals und Veranstaltern zu prüfen. Die Rückmeldungen waren extrem positiv. Daraufhin haben wir beschlossen, es zu versuchen. Inzwischen ist dieses Comeback viel grösser geworden, als wir erwartet hatten.
Welche Herausforderungen gab es beim Wiederaufnehmen eurer alten Songs?
Es klingt vielleicht etwas selbstbewusst, aber unsere Songs funktionieren auch heute noch sehr gut. Die Arrangements stammen aus den 90ern, sind aber solide. Unser Produzent Just One hat einige Instrumentals überarbeitet und wir haben intensiv geprobt, um unserem Publikum gerecht zu werden. Live ist es pure Energie und eine starke positive Stimmung.
Wie hast du dich auf die Comeback-Shows vorbereitet?
Ich habe viel Wert auf Fitness gelegt, bin viel gelaufen, habe trainiert, auf meine Stimme geachtet und intensiv geprobt.
Wie sah der ursprüngliche Plan aus?
Geplant waren nur ein paar Sommerfestivals. Nach dem grossen Erfolg haben wir uns jedoch entschieden, weiterzumachen. Es folgte eine Wintertour und für 2026 sind bereits grosse Festivals geplant.
Wie fühlt es sich an, wieder auf der Bühne zu stehen?
Es geht nicht nur um mich, sondern um die ganze Band. Wir sind unglaublich dankbar, diese Erfahrung 35 Jahre nach der Gründung von Sens Unik noch einmal erleben zu dürfen.
Arbeitet ihr aktuell an neuer Musik?
Ja, wir arbeiten derzeit an zwei neuen Songs, die im Frühling erscheinen sollen.
Welche Rolle spielt Produzent Just One heute?
Just One ist seit Beginn das kreative Herz von Sens Unik. Er ist ein musikalisches Genie. Durch neue Technologien ist es heute einfacher, einzelne Sounds präziser herauszuarbeiten und stärker im Track zu positionieren.
Gibt es konkrete Pläne nach dem Festivalsommer?
Nein, wir lassen alles offen und schauen, wie sich die Dinge entwickeln.
Welche Städte stehen auf der Tourliste?
Wir spielen in der ganzen Schweiz, praktisch in allen grösseren Städten.
Wie unterscheidet sich heutiger Hip-Hop von früher?
Hip-Hop ist heute die populärste Musikrichtung weltweit. In den 90ern war es eher eine Szene für Liebhaber. Ich finde es falsch zu sagen, früher sei alles besser gewesen. Eine so grosse Bewegung entwickelt sich ständig weiter.
Wir hatten das Glück, Teil der sogenannten goldenen Ära zu sein. Für die junge Generation könnte die goldene Ära aber genau jetzt sein. Künstler wie Kendrick Lamar oder Tyler, the Creator zeigen, wie spannend und innovativ Hip-Hop heute ist.
Welche Werte prägen Sens Unik?
Wir waren nie Gangster. Wir waren einfach junge Leute, die sich in den 80ern in die Hip-Hop-Kultur verliebt haben. Uns hat vor allem der multikulturelle Aspekt fasziniert und die Möglichkeit, aus dem Nichts Kunst zu erschaffen.
Warum ist Authentizität wichtiger als kommerzieller Erfolg?
Authentizität ist der Kern jeder Kunstform. Wer nur für Aufmerksamkeit arbeitet, wird nicht lange im Rampenlicht stehen.
Welche gesellschaftlichen Themen sind euch heute wichtig?
Wir leben in einer stark gespaltenen Welt und Ungerechtigkeit ist nach wie vor ein grosses Thema. Viele unserer alten Texte sind heute leider immer noch aktuell.
Ist Sens Unik eine Stimme für eine Generation?
Als eine der ersten Schweizer Rap-Bands haben wir einen besonderen Platz im Herzen unseres Publikums. Das spüren wir auf dieser Tour sehr stark. Die Menschen sind dankbar, dass wir zurück sind und wir sind genauso dankbar für diese Unterstützung.
Ist das Comeback langfristig geplant?
Das wissen wir selbst noch nicht.
Was können Fans von den neuen Songs erwarten?
Wir machen die Musik in erster Linie für uns selbst. Wir wollen uns treu bleiben. Wenn das Publikum uns folgt, freut uns das sehr. Wir haben aber nicht den Anspruch, wieder an die Spitze der Charts zu kommen.
Welche Risiken birgt ein Comeback?
Das Risiko besteht darin, den Kultstatus zu verlieren. Aber wer nur versucht, seine Vergangenheit zu bewahren, entwickelt sich als Künstler nicht weiter.
Wie erreicht ihr heute ein jüngeres Publikum?
Wir sehen zwar auch viele junge Menschen auf Festivals, aber sie sind nicht unsere Hauptzielgruppe. Wenn sich die junge Generation für die Geschichte des Schweizer Hip-Hop interessiert, sind wir da.
Welche Rolle spielen Festivals heute?
Festivals sind nach wie vor wichtige Plattformen, um neue Künstler zu entdecken. Der grösste Unterschied ist vielleicht, dass heute jeder ein Smartphone in der Hand hat. Für uns bleiben Festivals ein zentraler Bestandteil unserer Präsenz.
Weitere Informationen:






































